Beispiel Stepstone: Jobbörsen verlieren seit Einführung von Google for Jobs deutlich an Reichweite

google for jobs google podcastsBereits mit der Einführung von Google for Jobs in Deutschland fragten sich viele Experten und Marktbeobachter, welche Auswirkungen diese Erweiterung der Google Suche auf Stellenanzeigen auf das Geschäft der klassischen Online-Jobbörsen haben werde und ob diese Suchfunktion nicht mittelfristig das Ende der Jobbörsen bedeutet. Immerhin genügt es nun ja, seinen Jobwunsch einfach in die Google Suche einzugeben. Damit erübrigt sich der Gang über die Online-Jobbörse.

Wie t3n berichtet, beklagte sich bereits kurze Zeit nach Einführung von Google for Jobs in Deutschland Stepstone über einen deutlichen Rückgang an Weiterleitungen und warf dem Suchmaschinengiganten „Marktmissbrauch“ vor.

Marktmacht: Google über Nacht Jobbörse Nr. 1

Ob Google seine Marktposition tatsächlich missbraucht, müssen andere beurteilen. Fakt ist: Mit der Einführung von Google for Jobs wurde Google quasi über Nacht zum „Sichtbarkeitsmarkführer“ für Jobangebote. Dies verdeutlichen entsprechende Analysen des SEO-Tool-Anbieters Sistrix.

Sistrix-Geschäftsführer Johannes Beus erklärt die von seinem Team durchgeführte Analyse in einem Blog-Beitrag wie folgt: “Da die Google Jobs-Integration einen organischen Treffer von der ersten Seite verdrängt, haben wir sie in der Toolbox den Universal-Search-Integrationen zugeordnet, die sich ähnlich verhalten (Bilder, News, Maps). Im folgenden Chart ist ein Vergleich der organischen Sichtbarkeit der neuen Google Job-Box mit großen Marktteilnehmern aus dem Umfeld zu sehen:”

Sistrix Analyse Google for Jobs
Bildquelle: Sistrix

 

Online-Jobbörsen werden obsolet

Selbst wenn Google in seiner Ankündigung zu Google for Jobs in Deutschland noch von der Zusammenarbeit mit zahlreichen Online-Jobbörsen und Job-Webseiten spricht, stellt Johannes Beus in seinem Blogbeitrag klar: „Google Jobs wird die Dynamik in dem Markt deutlich ändern. Stellenbörsen, die aktuell noch größtenteils von ihrem organischen Traffic leben, werden es in Zukunft schwerer haben.“ Er erklärt dies wie folgt: „Google möchte direkt an die Quelle und Stellenanzeigen künftig von den Firmen erhalten – nicht über die ‚Zwischenhändler‘ der Stellenbörsen.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Handelsblatt in einem Beitrag von Ende Mai 2019: Die düstere Prognose: „Jobbörsen müssen um ihre Existenz fürchten.“ Die Redakteure verweisen dabei auf die Erfahrungen aus den USA, in denen Google for Jobs bereits seit zwei Jahren online ist. Laut Handelsblatt verlor die Online-Jobbörse Monster laut Daten des Analysetools Similarweb seit Einführung der Jobsuchfunktion 53 Prozent seiner Zugriffe und das, obwohl das Unternehmen – anders als Stepstone – zu den Kooperationspartnern von Google gehört.

„Google ist eine Gefahr für den Markt und wird Wettbewerb vernichten. Gerade für die kleinen Jobportale ist eine Kooperation mit Google zunächst das süße Gift, um mehr Reichweite zu erzielen. Aber langfristig werden die Nutzer nicht mehr die Jobportale besuchen, weil sie schnell lernen, dass sie alle Stellen über Google finden können“, zitiert das Handelsblatt einen Brancheninsider und kommt damit zu einer ähnlichen Einschätzung wie Sistrix.
 

Bequem für den Jobsuchenden, schlecht für die Online-Jobbörsen: Google dedupliziert Jobangebote

Wenn Sie in sich in der jüngsten Vergangenheit online nach einem neuen Job umgesehen haben, kennen Sie wahrscheinlich die „lästige“ Praxis, dass Ihnen eine und dieselbe Stellenanzeige mehrfach angeboten wurde: Einmal über Stepstone, einmal über Monster – dann aber auch noch über XING oder die Bundesanstalt für Arbeit. Google for Jobs räumt mit diesen Dubletten auf und zeigt die nachweislich gleiche Anzeige nur noch einmal in den Suchtreffern an. Darüber hinaus aggregiert Google Daten und Informationen aus anderen Diensten wie Google Maps oder Bewertungsportalen.

Letztendlich genügt es also, auch darauf geht das Handelsblatt in seinem Beitrag ein, einfach drei Worte in das Google Suchfeld einzugeben, und man erhält entsprechende Jobangebote. Weshalb soll man sich da also noch durch die Tausenden von – häufig identischen – Jobangeboten auf Online-Jobbörsen klicken? Bequem für den Suchenden, schlecht für die Betreiber von Online-Jobbörsen.
Dass es Google gelingt, ganze Themenbereiche mit einer entsprechenden Erweiterung seiner Suchfunktion – zu Lasten entsprechender Online-Portale – komplett abzudecken, beweisen die Themen Reisen, Wetter, Restaurants, Kino, News, u.v.m.
 

Folge für Arbeitgeber: SEO für die Karrierewebseite und neue Kommunikationswege

„Die Personalabteilungen müssen sich auf Googles Jobsuche vorbereiten, sonst werden die Unternehmen für Bewerber irgendwann nicht mehr sichtbar sein“, sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) im Handelsblatt-Beitrag. In erster Linie geht es nun also darum, die eigene Karrierewebseite so zu optimieren, dass die eigenen Jobangebote vorne bei Google for Jobs gelistet werden.

Und auch Sistrix Geschäftsführer Beus verweist darauf, dass die “Definition für strukturierte Daten” von Stellenanzeigen schon länger online ist und Google für diese URLs sogar eine Push-API zur Indexierung zur Verfügung stellt.“

Allerdings weiß jeder, der sich schon einmal mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt hat, dass es alles andere als leicht ist, sich den „SEO-Platz an der Sonne“ zu sichern – insbesondere, wenn in Zeiten des Fachkräftemangels dort alle hinmöchten. Und so ist es wenig erstaunlich, dass sich selbst die „Großen“ noch sehr schwer mit Job-SEO tun. Laut Handelsblatt ergab ein Check des Personalmarktbeobachters Henner Knabenreich, dass von den 30 Dax-Konzernen gerade einmal 16 fit für Google for Jobs sind.
 

Neue Kommunikationswege: Beispiel Podcast

Darüber hinaus wird es für Arbeitgeber immer wichtiger, sich zusätzliche Kommunikationskanäle zu erschließen, die den direkten Kontakt mit potentiellen Bewerbern sicherstellen. Ein Format, das dabei immer häufiger genannt wird, sind Podcasts, in denen sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber präsentieren und darüber hinaus Mitarbeiter zu Wort kommen lassen, die über ihre Arbeit berichten.

Fast zeitgleich mit dem Start von Google for Jobs in Deutschland veröffentlichte die FAZ einen Beitrag mit dem Titel „Warum Unternehmen Podcasts einsetzen, um Mitarbeiter anzulocken“. Und auch der Bundesverband Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting e.V. zu der Einschätzung: „Wir glauben, Podcasts können auch in der Arbeitgeberkommunikation ein bedeutsamer Trend werden.“

Google findet Podcasts übrigens „klasse“ und hat das Format Podcast eben erst direkt in die Google Suche integriert.